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Vom Anspruch zur gemein­sa­men Wir­kung: Ein struk­tu­rier­ter Ansatz für glaub­wür­di­ge Impact-Inves­ti­tio­nen im Immo­bi­li­en­be­reich

Impact-Inves­ti­tio­nen im Immo­bi­li­en­sek­tor ste­hen vor einer dop­pel­ten Her­aus­for­de­rung: Sie müs­sen wirt­schaft­lich trag­fä­hig sein und zugleich einen klar beleg­ba­ren gesell­schaft­li­chen Mehr­wert schaf­fen. Gera­de weil Immo­bi­li­en­pro­jek­te lan­ge Ent­wick­lungs­zy­klen, hete­ro­ge­ne Nutzer*innengruppen und kom­ple­xe kom­mu­na­le Schnitt­stel­len haben, ist Mess­bar­keit ent­schei­dend für glaub­wür­di­ge Wir­kungs­aus­sa­gen. Ohne ein struk­tu­rier­tes Vor­ge­hen bleibt oft unklar, ob ein Pro­jekt tat­säch­lich zur Lösung eines Pro­blems bei­trägt oder ledig­lich gute Inten­tio­nen kom­mu­ni­ziert.

Fio­na Exner, Impact Inves­t­ing Mana­ge­rin bei Next Gene­ra­ti­on Invest 


Der IMMPACT Gui­de, ent­wi­ckelt von Ber­tels­mann Stif­tung, SEND, dem Bun­des­ver­band Impact Inves­t­ing und PHI­NEO, schafft hier­für einen zen­tra­len Ori­en­tie­rungs­rah­men. Sei­ne sys­te­ma­ti­schen Leit­fra­gen von Bedarfs­ana­ly­se über Wir­k­an­nah­men bis hin zur KPI-Logik stär­ken die Ver­gleich­bar­keit und Ver­ständ­lich­keit von Wir­kung. Das Frame­work bie­tet nicht nur die im Immo­bi­li­en­be­reich häu­fig feh­len­de metho­di­sche Klar­heit, son­dern ermög­licht vor allem einen unkom­pli­zier­ten Ein­stieg für alle betei­lig­ten Stakeholder*innen. Dadurch kön­nen Akteur*innen unmit­tel­bar ins Han­deln kom­men, ohne sich zunächst lang­wie­rig mit theo­re­ti­schen Wirk­mo­del­len beschäf­ti­gen zu müs­sen. Ein­stiegs­hür­den in den Impact-Markt wer­den spür­bar gesenkt, und es ent­steht eine gemein­sa­me Aus­gangs­ba­sis für wir­kungs­ori­en­tier­te Zusam­men­ar­beit sowie für die kri­ti­sche Refle­xi­on bestehen­der Geschäfts­mo­del­le.

Wei­ter­ent­wick­lung des IMMPACT Gui­de für den Immo­bi­li­en­be­reich

Um den spe­zi­fi­schen Anfor­de­run­gen der Bran­che gerecht zu wer­den, haben wir den Ansatz zudem im Arbeits­kreis Immo­bi­li­en des Bun­des­ver­bands Impact Inves­t­ing wei­ter­ent­wi­ckelt und an rea­le Immo­bi­li­en­trans­ak­tio­nen ange­passt. Dar­aus ent­stand der Pra­xis­hin­weis mit der Invest­ment-Check­box, der auf dem IMMPACT Gui­de auf­baut und den betei­lig­ten Akteur*innen eine ein­fa­che, aber robus­te Struk­tur an die Hand gibt. Hin­ter­grund ist, dass vie­le Projektträger*innen zwar gute Ideen oder ver­füg­ba­re Flä­chen haben, jedoch kei­ne eta­blier­te Metho­de, ihre Wir­kung struk­tu­riert zu pla­nen, zu mes­sen und zu kom­mu­ni­zie­ren. Bei­de Gui­des – der IMMPACT Gui­de und der Pra­xis­hin­weis – die­nen damit als nied­rig­schwel­li­ger Ein­stieg und unter­stüt­zen ein schnell wach­sen­des Öko­sys­tem enga­gier­ter Impact-Akteur*innen.

NEXT Gene­ra­ti­on Invest arbei­tet intern mit einem Impact Manage­ment and Mea­su­re­ment Ansatz, der eng an die­se Logik anschließt. Bedarfs­ana­ly­se, Theo­ry of Chan­ge, Wir­kungs­zie­le und ope­ra­tio­na­li­sier­ba­re KPIs bil­den den Kern. Ergänzt wird dies durch stan­dar­di­sier­te Due-Dili­gence-Tools, regel­mä­ßi­ge Impact Per­for­mance Reviews und kla­re Koope­ra­ti­ons­pro­zes­se mit Part­ner­or­ga­ni­sa­tio­nen.

Pra­xis­bei­spiel: Frank­furt Hau­sen

Wie die­se Struk­tur in der Pra­xis wirkt, zeigt das Bei­spiel Frank­furt Hau­sen. Das Objekt, ursprüng­lich als Wohn­an­la­ge für sozia­le Zwe­cke kon­zi­piert, war vor der Über­nah­me durch NEXT GI mit hohen Mie­ten, man­geln­der Inte­gra­ti­on der Nutzer*innengruppen und Wider­stän­den im Quar­tier kon­fron­tiert. Ent­lang der IMMPACT-Fra­gen wur­de zunächst der kon­kre­te Bedarf am Stand­ort iden­ti­fi­ziert: bezahl­ba­rer Wohn­raum für Stu­die­ren­de, Men­schen mit beson­de­rem Wohn­be­darf sowie – durch den Ukrai­ne-Krieg ver­stärkt – Geflüch­te­te. Die­ser Bedarf wur­de in eine Theo­ry of Chan­ge über­führt, die drei Wir­kungs­zie­le umfasst:

  1. Bezahl­bar­keit erhö­hen, unter ande­rem durch eine durch­schnitt­li­che Miet­sen­kung um rund 20 Pro­zent für die Stu­die­ren­den­apart­ments.
  2. Sozia­le Inte­gra­ti­on stär­ken, ermög­licht durch neu­ge­stal­te­te Begeg­nungs­flä­chen und ein Ver­mie­tungs­kon­zept, das ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment ein­be­zieht.
  3. Loka­le Öko­sys­te­me akti­vie­ren, etwa durch die Ein­bin­dung gemein­wohl­ori­en­tier­ter Ver­bän­de und kom­mu­na­ler Ein­rich­tun­gen.

Die Mess­bar­keit erfolgt anhand defi­nier­ter KPIs wie Miet­kos­ten­ent­las­tung, Inter­ak­ti­ons­qua­li­tät, Bele­gungs­struk­tur sowie regel­mä­ßi­gem Feed­back rele­van­ter Stakeholder*innen.

Das Bei­spiel ver­deut­licht, dass Wir­kung nicht zufäl­lig ent­steht. Sie ist das Ergeb­nis struk­tu­rier­ter Wir­kungs­stra­te­gien. Der IMMPACT Gui­de und der dar­auf basie­ren­de Pra­xis­hin­weis bie­ten dafür wert­vol­le Ori­en­tie­rung und unter­stüt­zen dabei, ein gemein­sa­mes Wir­kungs­ver­ständ­nis im Immo­bi­li­en­sek­tor zu eta­blie­ren. Wer Wir­kung glaub­wür­dig erfas­sen will, benö­tigt sowohl einen kla­ren metho­di­schen Rah­men als auch die Bereit­schaft, part­ner­schaft­lich mit loka­len Akteur*innen zusam­men-zuar­bei­ten.