Im Programm der Impact Labs Potsdam zeigt Charleen von Kolpinski, wie sich der IMMPACT Guide in frühen Gründungsphasen anwenden lässt. Aus vager Wirkungsmotivation wird so Schritt für Schritt eine steuerbare und kommunizierbare Größe.
Dr. Charleen von Kolpinski, Program Lead @ Impact Labs Potsdam beim Startup Service der Uni Potsdam
Charleen von Kolpinski arbeitet an der Schnittstelle von Forschung und Praxis und begleitet Startups in einem Unterstützungsprogramm der Impact Labs Potsdam dabei, aus ersten Ideen und Prototypen tragfähige Gründungen zu entwickeln. Wirkungsorientierung wird dabei systematisch in sehr frühe Gründungsphasen eingebracht – dort, wo Gründer*innen zwar Impact wollen, aber noch nicht wissen, wie sie ihn konkret fassen, messen oder kommunizieren können.
Hallo Charleen, begegnet dir Wirkungsorientierung bei den Gründer*innen, mit denen du arbeitest, von Anfang an?
Das Interesse ist definitiv da – viele wollen etwas Gutes tun. In den Bewerbungen ging es aber fast ausschließlich um Market Entry, Produktentwicklung und Finanzierung. Wirkung zu messen oder zu managen hatte kaum jemand auf dem Schirm. Erst im Workshop merken viele: Wir wollten eigentlich Impact erzielen – aber wir können ihn noch gar nicht benennen oder belegen. Genau da entsteht oft Unsicherheit, fast wie ein Gefühl von „Impact Washing“, obwohl die Motivation stimmt.
Was sind typische Aha‑Momente in euren Programmen?
Ein zentraler Moment ist, wenn Teams erkennen, dass Wirkung nicht nur ein Ziel, sondern auch messbar und steuerbar ist. Themen wie Rebound-Effekte oder datenbasiertes Impact Management sind für viele völlig neu.
Man sieht richtig, wie der „Groschen fällt“: Ich kann nicht nur behaupten, dass ich Wirkung habe – ich muss sie auch systematisch erfassen.
Wie nutzt ihr den IMMPACT Guide konkret in eurem Programm?
Das Reifegradmodell ist extrem hilfreich, weil es Struktur schafft. Es hilft, komplexe Themen rund um Wirkung verständlich aufzubereiten und gibt eine klare Orientierung, an der entlang Gründer*innen arbeiten können. Sie können sehen: Wo stehen wir? Was haben wir schon geklärt? Was fehlt noch? Gerade in der frühen Phase hilft das, den Fokus zu behalten und nicht alles gleichzeitig machen zu wollen. Viele arbeiten sich wirklich Schritt für Schritt durch die Phasen und nutzen das IMMPACT Model wie eine Checkliste.
Wo siehst du aktuell die größten Lücken bei Impact Startups?
Ganz klar bei der Kommunikation mit den verschiedenen Stakeholdern, also potenziellen Kund*innen, Nutzenden, Investierenden und Mitgründer*innen. Viele haben eine starke Motivation und teilweise sogar gute Lösungen – aber sie erzählen ihre Geschichte nicht. Dabei liegt genau darin ihre Stärke: persönliche Motivation, echtes Problembewusstsein, klare Wirkungsidee. Wenn sie das nicht sichtbar machen, verschenken sie enormes Potenzial – gerade in der Ansprache der Stakeholder.