Mit dem Social Innovation Gateway öffnet ekipa wirkungsorientierten Startups über Impact Venture Clienting den Weg vom Fördermodus zum ersten zahlenden Kunden. Der IMMPACT Guide macht ihre Wirkung dabei nach einem einheitlichen Standard vergleichbar.
Jacqueline Cyba, Kommunikation & Marketing bei ekipa GmbH
Sozialunternehmen entwickeln Lösungen für gesellschaftliche Probleme, doch der erste zahlende Kunde aus der Wirtschaft bleibt für viele schwer erreichbar. Unternehmen wiederum suchen zunehmend nach externen Lösungen für Nachhaltigkeits- und Sozialthemen, ohne einen strukturierten Weg dorthin. Ohne einen klaren Zugang zum Kunden und einen gemeinsamen Maßstab für Wirkung bleiben Kooperationen im Pilotstatus stecken und werden nur selten zu laufendem Geschäft.
1) Impact Venture Clienting: die Wirkung wird Teil des Geschäfts
Der Ansatz dahinter heißt Venture Clienting und kommt aus der Corporate-Venturing-Praxis. Statt Anteile an einem Startup zu kaufen, wird ein Unternehmen zu dessen zahlendem Kunden und integriert die Lösung in einen realen Anwendungsfall. Das Startup gewinnt Umsatz und eine belastbare Referenz, das Unternehmen eine erprobte Lösung für einen konkreten Bedarf, ohne die Risiken einer Beteiligung.
Auf wirkungsorientierte Lösungen übertragen, entsteht daraus Impact Venture Clienting. Das Unternehmen wird hier zum Kunden einer sozialen oder ökologischen Innovation und leistet über deren Einsatz einen messbaren Beitrag zu einem eigenen Nachhaltigkeits- oder Sozialziel. Für ein Sozialunternehmen entscheidet ein solcher Partner oft darüber, ob es bei einem Pilotprojekt bleibt oder daraus ein dauerhafter Einsatz wird. Die Leitfrage verschiebt sich damit von „Wo finden wir die nächste Förderung?“ zu „Wer wird unser erster zahlender Kunde?“.
2) Das Social Innovation Gateway: das erste Programm dieser Art
ekipa ist Corporate-Venturing-Partner aus Frankfurt und bringt Unternehmen und Startups so zusammen, dass die Unternehmen zu Kunden der Startups werden. Das Social Innovation Gateway (SIG) ist das erste Programm, das Impact Venture Clienting systematisch nutzt. ekipa hat das Programm entwickelt und setzt es als Operating Partner um, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und kofinanziert von der Europäischen Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus).
Das SIG richtet sich an Impact-Startups, Sozialunternehmen und NGOs aus ganz Deutschland. Sie durchlaufen einen strukturierten Weg von der Schärfung ihres Kundenprofils bis zur Pilotanbahnung, begleitet durch Mentoring und Sparring von ekipa und den Corporate-Partnern. Im Zentrum steht der Zugang zu den Unternehmen aus ekipas Ökosystem mit dem Ziel, einen Proof of Concept mit einem passenden Partner zu erreichen. Weil das Programm öffentlich gefördert ist, können Sozialunternehmen teilnehmen, für die ein solcher Zugang zu Corporate-Kunden sonst kaum finanzierbar wäre.
3) Ohne belegbare Wirkung kein Corporate-Pilot: der IMMPACT Guide
Ein Pilot zwischen Unternehmen und Sozialunternehmen hängt an einer Frage: Lässt sich der versprochene gesellschaftliche Beitrag glaubwürdig belegen? Wirkung, die sich nicht abbilden lässt, wird im Unternehmen selten zum Entscheidungskriterium.
Den methodischen Rahmen dafür liefert der IMMPACT Guide, entwickelt von der Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit PHINEO, dem Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland und dem Bundesverband Impact Investing.
Der Guide hilft wirkungsorientierten Gründer*innen, Wirkungsmessung und Wirkungsmanagement von Beginn an in ihr Geschäftsmodell einzubauen, entlang der vier Dimensionen Impact Strategy, Impact Management, Impact Governance und Impact Communication. Ein Sozialunternehmen kommt damit nicht nur mit einer Lösung in ein Unternehmen, sondern mit einer nachvollziehbaren Aussage über die erzeugte Wirkung. Weil der Guide einen gemeinsamen Standard und eine gemeinsame Sprache schafft, sprechen beide Seiten über Wirkung, ohne sie jedes Mal neu zu definieren. Die Sozialunternehmen im SIG profitieren davon unmittelbar: Was sie an Wirkungslogik für den Termin bei einem Corporate-Partner erarbeiten, tragen sie in jedes weitere Kundengespräch mit.
Diese Nachweispflicht nützt beiden Seiten. Für das Sozialunternehmen ist sie die Voraussetzung, überhaupt in einen Einkaufsprozess zu kommen; ohne prüfbare Zahlen bleibt das Wirkungsversprechen eine Behauptung. Für das Unternehmen ist sie eine Absicherung: Wer eine Kooperation im Nachhaltigkeitsbericht als eigenen Beitrag ausweist, muss sagen können, worauf diese Angabe beruht. Ein gemeinsamer Maßstab zwingt beide Seiten, zwischen Absicht und Ergebnis zu unterscheiden, und macht die Differenz für Dritte nachvollziehbar.
Zwei Bausteine, die zusammengehören
Wirkungsorientierte Innovation kommt dort am schnellsten voran, wo ein strukturierter Weg zum ersten zahlenden Kunden auf einen gemeinsamen Wirkungsmaßstab trifft. Das Social Innovation Gateway öffnet den Zugang, Impact Venture Clienting verankert die Wirkung im Geschäft beider Seiten, und der IMMPACT Guide liefert den Maßstab, an dem sie sich messen lässt. Für Sozialunternehmen, die aus dem Fördermodus in den Markt wollen, entscheidet dieses Zusammenspiel darüber, ob aus einem Piloten laufendes Geschäft wird.